Bei der Winterklausur der Grünen Landtagsfraktion in München stand in der vergangenen Woche eine zentrale Frage im Mittelpunkt: Wie halten wir unsere Gesellschaft zusammen – und wie sorgen wir dafür, dass Menschen in Bayern wieder mit weniger Sorgen in den Tag starten?
Zum Auftakt der Klausur waren Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, und Christian Neureuther, Skirennlauflegende und engagierter Mahner für gesellschaftlichen Zusammenhalt, zu Gast. Beim gemeinsamen Frühschoppen diskutierten sie mit der Fraktionsvorsitzenden Katharina Schulze über den Zustand unserer Gesellschaft und darüber, wie es den Menschen aktuell geht.
Das Fazit der Diskussion war ebenso klar wie alarmierend: Unser gesellschaftliches Immunsystem ist angeschlagen.Für viele Menschen geht das Wir-Gefühl verloren, Gemeinschaft bricht weg, und insbesondere im digitalen Raum füllen Kräfte das entstehende Vakuum mit Angst und Wut. Davon profitieren Spalter und Demokratie-Feinde. Die Lage ist ernst – aber nicht hoffnungslos.
Denn auch wenn wir von Bayern aus die Weltpolitik nicht im Alleingang verändern können, liegt es sehr wohl in unserer Hand, das Leben im Freistaat konkret besser zu machen: indem Wohnen wieder bezahlbarer wird, indem Menschen eine Wohnung finden, die sie sich leisten können, und indem wir sie besser auf Krisen und kritische Situationen vorbereiten. Die Diskussion lieferte wichtige Impulse – für unsere politische Arbeit ebenso wie für das tägliche Leben – und machte Mut, Verantwortung anzunehmen.
Der zweite Tag der Klausur stand ganz im Zeichen des Wohnens. Unter dem Motto „Klug und preiswert bauen – neu gedacht statt einfach betoniert“ besuchte die Fraktion zwei außergewöhnliche Wohnungsbauprojekte in München.
In Alt-Riem ging es zu einem aktuell entstehenden Projekt mit 38 Eigentumswohnungen des Bauträgers BHB. Das Bauvorhaben zeigt, dass Nachhaltigkeit, nachwachsende Baustoffe, hohe Energieeffizienz (KfW-40-Standard) und ein sorgsamer Umgang mit Wasser kein Luxus sein müssen. Im Gegenteil: Das Projekt ist günstiger als viele vergleichbare Neubauten und macht deutlich, welches Potenzial in intelligentem, ressourcenschonendem Bauen steckt.
Ganz andere Herausforderungen zeigte das zweite Projekt in der Maxvorstadt. Dort sollen zwei Bestandsgebäude für Mietwohnungen ertüchtigt werden. Diskutiert wurde vor Ort vor allem die Notwendigkeit einer Umbauordnung, die an den Bestand andere – realistischere – Maßstäbe anlegt als an den Neubau. Es ging um das bewusste Weglassen überflüssiger Normen zugunsten von Kreativität und pragmatischen Lösungen – ebenso wie um ganz konkrete Fragen, etwa eine bezahlbare Baustelleneinrichtung zwischen Straßenbahngleisen, U-Bahntunnel und engem Innenhof.
Für die Grüne im Bayerischen Landtag ist klar: Der Traum vom eigenen Zuhause darf kein Luftschloss bleiben.Deshalb bleiben sie am Thema Wohneigentum konsequent dran. Bereits im Sommer haben sie dazu ein umfassendes Positionspapier vorgelegt – nun arbeiten sie an weiteren Schritten.
Ein zentrales Element ist der von uns vorgeschlagene „Bayern-Bausparer“: ein digitales Förderkonto bei der BayernLabo, das unbürokratisch alle Programme von Land und Bund bündelt. Zusätzlich fordern wir zur direkten finanziellen Entlastung die Streichung der Grunderwerbsteuer für das erste selbst genutzte Eigenheim.
Die Winterklausur hat deutlich gemacht: Gesellschaftlicher Zusammenhalt und bezahlbares Wohnen gehören untrennbar zusammen. Beides braucht politische Klarheit, Mut zur Veränderung – und den festen Willen, Bayern sozial, gerecht und zukunftsfähig zu gestalten.