Pressemitteilung
Prävention stärken, Hilfsangebote ausbauen und Housing First dauerhaft finanzieren
Anlässlich des World Homeless Day am 10.10.2026 fordert Jürgen Mistol, wohnungspolitischer Sprecher der Grünen Landtagsfraktion und Regensburger Abgeordneter, einen stärkeren Einsatz des Freistaats gegen Wohnungslosigkeit. „Hinter jeder Zahl steht ein Mensch, dessen Leben aus den Fugen geraten ist. Wohnungslosigkeit darf nicht zur Sackgasse werden. Wir müssen früher ansetzen, Wohnungsverlust verhindern und Menschen schnell wieder eine eigene Wohnung ermöglichen“, erklärt Mistol.
Wie aus seiner aktuellen Schriftlichen Anfrage an die Staatsregierung (siehe Anhang) hervorgeht, gibt es in Bayern inzwischen mehr als 50 Fachstellen zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit. Sie sind ein zentrales Instrument, um Menschen bei drohendem Wohnungsverlust – etwa wegen Mietschulden oder persönlicher Krisen – frühzeitig zu unterstützen. „Diese Fachstellen leisten wichtige Arbeit. Gerade in Zeiten steigender Mieten und angespannter Wohnungsmärkte müssen wir die Prävention weiter stärken und dauerhaft absichern“, so Mistol.
Besonders besorgniserregend ist für Mistol die Gewalt gegen wohnungslose Menschen. Nach Angaben der Staatsregierung wurden 2025 in Bayern 483 Straftaten registriert, bei denen die Opfer-Spezifikation ‚Obdachlosigkeit‘ erfasst wurde. In der Oberpfalz waren es 36 Fälle. „Menschen, die ohnehin in einer besonders verletzlichen Situation sind, dürfen nicht auch noch zum Ziel von Gewalt werden. Niedrigschwellige Angebote, Streetwork, sichere Übernachtungsmöglichkeiten und eine gute sozialpädagogische Begleitung sind deshalb nicht Kür, sondern notwendiger Schutz“, betont Mistol.
Kritisch sieht der Abgeordnete zugleich, dass die Staatsregierung bei der Weiterentwicklung ihres Aktionsplans „Hilfe bei Obdachlosigkeit“ derzeit keinen weiteren Ausbau bis 2028 plant. Zwar wurden über die Stiftung Obdachlosenhilfe Bayern seit ihrer Gründung bereits 180 Projekte gefördert. „Das ist gut, reicht aber angesichts der Herausforderung nicht aus. Die Kommunen dürfen mit der Aufgabe nicht allein gelassen werden“, sagt Mistol.
Auch beim Thema Housing First sieht Mistol Handlungsbedarf. Eine vom Freistaat geförderte Studie zu Housing First in Nordbayern kommt nach dem vorläufigen Bericht zu dem Ergebnis, dass ein befristeter Projektcharakter dem Ansatz widerspricht und eine dauerhafte Regelfinanzierung notwendig ist. „Housing First setzt beim entscheidenden Punkt an: Menschen brauchen zuerst ein eigenes Zuhause. Erst dann können weitere Probleme nachhaltig angegangen werden. Wenn sich dieser Ansatz bewährt, muss er aus der Projektphase heraus und verlässlich finanziert werden“, fordert Mistol.
Für den Regensburger Abgeordneten bleibt deshalb die Wohnungspolitik der entscheidende Hebel: „Die beste Wohnungslosenhilfe ist die, die Wohnungslosigkeit verhindert. Dafür brauchen wir mehr bezahlbaren Wohnraum, wirksame Prävention und ein engmaschiges Netz aus Beratung, Streetwork und konkreten Hilfen. Niemand sollte sein Zuhause verlieren, nur weil eine Lebenskrise, eine hohe Nachzahlung oder eine unerwartete Mieterhöhung das eigene Budget überfordert.“
Jürgen Mistol abschließend: „Am World Homeless Day sollten wir nicht nur über Menschen ohne Wohnung sprechen. Wir sollten darüber sprechen, wie wir dafür sorgen, dass Menschen gar nicht erst ihre Wohnung verlieren – und wie wir denjenigen, die bereits wohnungslos sind, schnell wieder ein selbstbestimmtes Leben mit einem eigenen Zuhause ermöglichen.“