Erstmals in der Geschichte hat sich die Sudetendeutsche Landsmannschaft in Tschechien, der „Altheimat“ getroffen. Da, wo einst Menschen getrennt wurden, ein großer Teil der Brünner Deutschen vertrieben wurden, traf man sich wieder.
Eingeladen wurde sie dankenswerterweise von „Meeting Brno“, im Rahmen eines Festivals, das jährlich Erinnerung und Versöhnung im Kontext des historischen Konfliktes fördert. Daraus wurde ein besonderes Fest der Verständigung, Dialogs, Begegnung, Menschlichkeit und Versöhnung.
Angefangen hat das Treffen am Brünner Hauptbahnhof mit einem Gedenken an die Opfer der Schoa. Am Freitag ging es u. A. mit dem Festlichen Abend und der Verleihung der Sudetendeutschen Kulturpreises weiter.
Der Höhepunkt des Treffens in Brünn war der Versöhnungsmarsch von Pohořelice nach Brno. Etwa zwanzigtausend Brünnerdeutsche waren nach dem Ende des 2. Weltkrieges gezwungen, die Strecke zu absolvieren. Ein Zurück gab es selten, viele starben am Weg in desaströsen Bedingungen, litten unter Gewalt oder verloren ihre Angehörigen. Darüber wurde in Tschechien und Brünn lange geschwiegen. Dank der Initiative von Ondřej Liška mit seinem Bündnis „Jugend für interkulturelle Verständigung“ und unter der Organisation von Meeting Brno wandert ein internationales Publikum jedes Jahr die Strecke in umgekehrte Richtung. Dabei ist auch seit einigen Jahren wie in diesem Jahr Jürgen Mistol.
Am Sonntag versammelten sich Vertreter*innen der Sudetendeutschen Vereine von überall auf der Welt, Brünner*innen und interessierten Tschech*innen und Deutsche sowie hochgradige politische Repräsentant*innen beider Länder auf dem Messegelände zu einer Hauptkundgebung. Am Montag wurde das Fest auf dem Gelände des Kaunitz-Wohnheimes mit einem Gedenkakt geschlossen.
Das Pfingstreffen in Brünn war ein historisches Ereignis und in vielen Facetten außergewöhnlich: Nicht nur hat es große Aufmerksamkeit seitens der Öffentlichkeit (und den Medien) genossen, sondern es hat ein deutliches Zeichen gesetzt, dass Bayern bzw. Deutschland und Tschechien starke Partner sind und gemeinsam auf dem Weg der Versöhnung schreiten.
Wie beim Gedenkakt zum Abschluss des Sudetendeutschen Tages erkling: „Versöhnung ist kein Ziel, sondern ein Weg, den man nicht allein gehen kann.“ Die Oberbürgermeisterin von Brünn JUDr. Markéta Vaňková fügte hinzu: Man solle die Unrechttaten der Vergangenheit nicht vergleichen, gleichzeitig solle man niemals Unrecht durch weiteres Unrecht beseitigen. Das wichtigste und das oberste Ziel ist die Begegnung. Die Begegnung erfordert Mut, ist aber zwingend notwendig, damit das europäische Versprechen eingehalten wird und wir mit dem Nachbarland Tschechien zu einem (noch) besseren Partner werden. Begegnung findet nicht einmalig statt, sondern ist ein fortlaufender Prozess, dessen wichtiger und erfolgreicher Bestandteil der 76. Sudetendeutsche Tag in Brünn war.