Um von Sanierungs- und Umbauprojekten in der Region vor Ort zu lernen, traf Jürgen Mistol die Bürgermeisterin der Gemeinde Wiesent, Elisabeth Kerscher.
Unter der tatkräftigen Bürgermeisterin wurde nicht nur ein fast 200 Jahre altes Schulhaus in das neue Rathaus umgebaut, sondern auch das Sportheim und ein alter Bierkeller saniert sowie das Kinderhaus und die Grundschule aus- bzw. umgebaut.
Neben öffentlichen Gebäuden liegt der Fokus der Gemeinde darauf, durch umfassende Beratungsangebote und Prämien auch jungen Familien zu ermöglichen, im Bestand zu bauen. Eigens dafür ausgerichtete Bauberatungstage dienen für Bürger*innen als niedrigschwellige Anlaufstelle, z.B. um Sanierungspläne von Experten evaluieren zu lassen, Beratung zum Umbau eines Einfamilienhauses zum barrierefreien Mehrgenerationenhaus zu erhalten oder das eigene Bauprojekt der Gemeinde vorzustellen. Darüber hinaus weise die Gemeinde auch kaum noch neue Baugebiete aus, damit Interesse am Bestand geweckt und dessen Wertigkeit bewusstwerde, so Kerscher. Dadurch könnten auch Kosten für die Neuerschließung, insbesondere der Abwasserbeseitigung, die Sturzflutvorsorge sowie die Anbindung an das Straßennetz, gespart werden. Jürgen Mistol befürwortete das Bemühen der Bürgermeisterin ausdrücklich: „Auch mit Blick auf die Siedlungsentwicklung ist es positiv, wenn im Bestand gebaut oder Leerstand saniert wird. Denn das trägt nicht nur zum Werterhalt eines noch funktionalen Gebäudes bei, sondern beugt zugleich der Verödung von Ortskernen vor.“ Die Einführung der Grundsteuer C, die auch die Bürgermeisterin befürwortet hätte, sei eines der Instrumente, die man den Kommunen an die Hand geben sollte, um Lücken im Ortskern zu schließen und bereits erschlossene, aber jahrelang leerstehende Grundstücke zu nutzen, so Mistol.
Was Elisabeth Kerscher besonders am Herzen liegt, ist der Erhalt des Charakters der Altbauten. So zum Beispiel beim Umbau des Rathauses, bei dem bewusst wenig verschiedene und klassische Werkmaterialien genutzt wurden. Jürgen Mistol stimmte zu, dass es durch Sanierung und Bauen im Bestand möglich ist, die identitätsstiftende Individualität von Gebäuden und damit den Wiedererkennungswert des Ortes bewahren zu können.
Insgesamt waren sich beide Politiker*innen einig, dass Bauen und Wohnen im Bestand einen höheren politischen Stellenwert benötigt. Da die demographische Entwicklung in nahezu jeder Gemeinde nach und nach zu mehr leerstehenden Altbauten führe, müsse auch die Städtebauförderung so geändert werden, dass Umbau nicht teurer wird als Neubau, so Mistol. Dabei spielten aber auch Entbürokratisierung und Digitalisierung eine entscheidende Rolle. Vor allem bei der mittlerweile hochkomplexen Kommunalrichtlinie sieht die Bürgermeisterin Änderungsbedarf. „Wenn neue Förderinstrumente für Sanierung neue Bürokratie bedeutet, nutzt es im Endeffekt wenig“, stellte der Landtagsabgeordnete klar. Stattdessen müsse der Anteil der Kommunen an den Steuereinnahmen erhöht werden: „Es ist nicht nur mehr Vertrauen in die Bürger*innen, sondern auch in die Kommunen notwendig, dass Gelder sinnvoll eingesetzt werden.“